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JIEUN JUN

Komponistin
Stipendiatin Winter 2017/2018

Mobirise
Jieun Jun in den Künstlerhäusern Worpswede, Frühjahr 2018, Foto: Katharina Groth
Über das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur erhalten nicht nur bildende Künstler*innen und Schriftsteller*innen die Möglichkeit, sich bis zu zwei Monaten in den Künstlerhäusern Worpswede aufzuhalten, sondern auch Musiker*innen, Klang*künstlerinnen und Komponisten*innen. So bezog Jieun Jun im Winter 2017/18 Atelier 5 in den Künstlerhäusern. Sie erlebte Kälte, Schnee und Eis und den Jahreswechsel in Worpswede.

Die Komponistin studierte in Bremen, Hannover und Düsseldorf, aber auch in Köln und Würzburg. Neben Musik und Komposition hat sie sich auch als Dirigentin ausbilden lassen. Ihre Werke wurden bislang nicht nur in Deutschland aufgeführt, sondern auch bereits in Brasilien, Griechenland und Korea, in den Niederlanden und in der USA, sowie in der Schweiz.

Den Aufenthalt in Worpswede nutzte Jieun Jun um an einer Auftragskomposition zu arbeiten. Alltagssituationen und der eigenen Erfahrungsraum spielen für die Komponistin eine große Rolle, um ihre Arbeiten zu entwickeln. So entwickelte sie als Auftragsarbeit für die Medizinische Hochschule in Hannover eine Arbeit die gezielt Hörbehinderte in den Blick nahm und die Hörprothese, das Chochlea-Implantat für Gehörlose behandelte. Jieun Jun zeigt mit ihren Arbeiten, dass wir alle von Klängen ständig umgeben sind. Ihre eigene Entwicklung und ihre Vorurteile sind Hilfsmittel und Ausgangspunkt für ihre Stücke. Zwei elektronische Kompositionen drehten sich um ihren koreanischen Namen unter dem Titel „Ich lerne meinen Namen“. Als selbstgestellte Ziel hat sie sich auferlegt pro Jahr zwei Kompositionen – oder wie sie sie nennt „Kinder“ – zu erschaffen.

2018 galt es die Auftragsarbeit zum Thema Panikattacke abzuschließen. Der Termin für die Uraufführung rückte näher. In Worpswede gelang es Jieun Jun sich mit ihren eigenen Ängsten auseinander: Panikattacken, die jeder Zeit kommen können, ohne Vorwarnung und selbst manchmal im Schlaf. Diese schrecklichen und unangenehmen Situationen, im schlimmsten Fall mit Fieber, Herzrasen und bis zur Hyperventilation, die mal wenige Minuten, mal eine halbe Stunde und länger andauern, in denen sich Jieun Jun schwach und hilflos fühlt, verarbeitete sie für ihr Musikstück. Oder genauer: die extrem verlangsamte Zeitwahrnehmung mit dem gedämpften Hörvermögen während einer Panikattacke wird zur Grundlage für ihre Partitur. In Düsseldorf wurde „Diagnose I: eine medizinische Transkription über die Zeitwahrnehmung der Symptome - Panikattacke: Übelkeit beim Sehen des Abgrundes des Lebens und der Welt“ (2017-18) mit dem Ensemble Mobile Beats schließlich erstmals öffentlich vor Publikum gespielt.

Dort, in Düsseldorf, am Musikwissenschaftlichen Institut ist Jieun Jun derzeit als Tutorin tätig.

Im November 2018 wurde ihr der Bremer Komponistenpreis verliehen (dazu gratulieren wir herzlich!). Und weitere, neue Kompositionen entstehen .

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